Der mit 50.000 Euro dotierte Clotten-Preis geht 2017 
an Prof. Dr. Stuart H. Orkan (Harvard University) 
                                                              


Die Freiburger Clotten-Stiftung hat am 6. Mai 2017 zum zweiten Mal den Clotten-Preis in Höhe von 50.000 Euro vergeben. 

Die Clotten-Stiftung zeichnet herausragende Wissenschaftler aus, die mit ihren Beiträgen in besonderem Maße zu Fortschritten in der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie beigetragen und damit neue Horizonte für Kinder mit bösartigen Erkrankungen geschaffen haben. 

Das Kuratorium der Clotten-Stiftung hat mit dem diesjährigen Clotten-Preis den herausragenden amerikanischen Genetiker, Hämatologen und pädiatrischen Onkologen Prof. Dr. Stuart Holland Orkin von der Harvard University geehrt. Er hat die Auszeichnung für seine bahnbrechenden Forschungsaktivitäten zu Blutstammzellen und die darauf aufbauenden Vorgänge, die zur Entstehung von Leukämien führen, erhalten.

„Mit Professor Orkin erhält ein Wissenschaftler mit einer herausragenden wissenschaftlichen Reputation den Clotten-Preis“, sagt Prof. Dr. Gerd Walz, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Freiburg und Kuratoriumsvorsitzender der Clotten-Stiftung.

Die Preisverleihung fand im Rahmen eines Festaktes am Samstag, den 6. Mai im Winterer-Foyer des Freiburger Theaters statt.

Die Clotten-Stiftung zeichnet jährlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus, die mit ihren Beiträgen in ganz besonderem Maße zu Fortschritten in der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie beitragen und damit neue Horizonte für Kinder mit bösartigen Erkrankungen des Blutes oder des Knochenmarks schaffen.   

       

Die Clotten-Stiftung hat mit Professor Stuart H. Orkin zum zweiten Mal einen weltbekannten Forscher mit dem Clotten-Preis ausgezeichnet. Der Clotten-Preis entwickelt sich immer mehr zu einer sichtbar international renommierten Auszeichnung.
 

Schon in der Antike war Blutarmut, also Anämie, bekannt, und unsere ärztlichen Vorfahren vermuteten sogar, dass diese Erkrankungen familiäre Ursachen haben könnten, ohne natürlich die Mittel zu haben, diesen Vermutungen näher nachgehen zu können.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurde zum ersten Male die krankhafte Morphologie der roten Blutkörperchen bei der Sichelzellanämie beschrieben, und 1949 konnte Linus Pauling die ersten Hinweise auf Veränderungen des Hämoglobins (also des Blutfarbstoffs) bei dieser Erkrankung gewinnen. Im Jahre 1956 schließlich wies Vernon Ingram nach, dass die Sichelzellanämie auf dem Austausch einer einzigen Aminosäure in der sogenannten beta-Kette des Hämoglobins beruht. Damit hatte das Zeitalter der molekularen Medizin begonnen und somit begann Stuart Orkin in den späten 1970er Jahre sich für Thalassämien zu interessieren.     
Eine Gruppe von Anämien, die in unseren Breiten in größter Häufigkeit in Mittelmeerländern vorkommt. Dieses Thema war ihm aus seiner Arbeit in der Kinderklinik vertraut, ist doch die Thalassämie in der bunt gemischten Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika keine Seltenheit.

Aber auch vor allem in Süddeutschland, kommt diese Erkrankung vor. Vor zweitausend Jahren führten sie römische Soldaten ein. Noch heute kann man beispielsweise in der Ulmer Gegend Nachkommen dieser Kämpfer finden, deren Mutationsspektren sogar den Geburtsort der damals beteiligten Soldaten rekonstruieren lassen.

Orkin erkannte früh, dass Thallassämien also nicht nur aufgrund der Schwere der Erkrankung der ärztlichen Fürsorge bedürfen, sondern dass sie als Modellerkrankungen dienen könnten, denen man mit den modernen Methoden der Genetik und insbesondere der damals gerade entstehenden Molekularbiologie zu Leibe rücken konnte. Und Harvard war genau der richtige Platz, an dem man klinische Medizin mit molekularer Biologie verbinden konnte. Dies ist bis zum heutige Tage so, da Orkin in seinem gesamten Berufsleben Boston treu geblieben ist.

Beginnend mit dieser Zeit wurde Orkin zu einem prominenten Mitglied einer Wissenschaftlergemeinde, die aus den Experimenten der Natur, dargeboten in den ihnen anvertrauten Patienten, grundsätzliche Erkenntnisse zur Struktur von Genen, zu deren Übertragung in kurzlebige Botenformen und schließlich zu der Übersetzung in Eiweiße gewinnen konnten. Ganze Kapitel moderner Lehrbücher der Molekulargenetik wurden aus den Erkenntnissen dieser Arbeiten entwickelt.

Besonders bedeutsam waren Orkins Studien zu einer eigentümlichen Eigenschaft des Blutsystems, nämlich der Besonderheit, dass sich das Spektrum der Blutfarbstoffe nach der Geburt regelhaft ändert. Dabei wird das sogenannte fötale Hämoglobin durch das sogenannte adulte Hämoglobin ersetzt, in Anpassung an die veränderten Lebensbedingungen außerhalb des Mutterleibs.

In jahrelanger Detailarbeit konnte Professor Orkin herausarbeiten, welche Faktoren diese Schalterfunktion wahrnehmen, und wie man deren Funktion beeinflussen könnte .

Interessant war dies insbesondere deshalb, weil bei Patienten bei Störungen der adulten Blutfarbstoffe, die fötalen Hämoglobine als Puffer dienen könnten. Orkin zeigte die Möglichkeit auf, eine Persistenz fötaler Hämoglobine herbeizuführen, um damit eine ganz unerwartete Perspektive zur neuartigen Behandlung dieser schweren Blutarmut.

In einem zweiten Schwerpunkt seiner Arbeit interessierte sich Dr Orkin für bestimmte Immundefizienzsyndrome, einer Gruppe von Krankheiten, denen auch in Freiburg große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im Jahre 1986 konnte er beispielsweise den genetischen Defekt bei der sogenannten chronischen Granulomatose aufklären, in dem er alle damals verfügbaren Verfahren der Genetik und Molekularbiologie in spektakulär erfolgreicher Weise zusammenführte.

Mit der Entdeckung eines Regulators der Entwicklung der roten Blutkörperchen konnte Orkin grundlegende biologische Prinzipen der Steuerung von Genaktivität nicht nur für diesen Zelltyp ableiten, und verhalf uns dabei zu einem neuen Blick auf die Mechanismen der Entstehung von kindlichen Leukämien.

 

 

 

 

 

 

 

 




 

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